Gegen den Fachkräftemangel

Modernes Personaldienstleistungskonzept

Wie Tischlerbetriebe motivierte und qualifizierte Fachkräfte finden

Mit „Tischler im Norden“ treten Christian Kobs und Fabian Köster dem Fachkräftemangel entgegen, der auch vor der Tischlerbranche nicht Halt macht. Im Gespräch erläutern sie, was sie von klassischer Zeitarbeit halten, inwieweit sie sich als moderner Personaldienstleister davon unterscheiden und warum Tischlereien bei ihnen überdurchschnittlich motivierte Mitarbeiter finden.

Tischler im Norden

Ein sonniger Sommermorgen. Treffpunkt ist ein Café in der Lüneburger Altstadt. Bei diesem herrlichen Wetter ist man geneigt, an Urlaub zu denken, an Entspannung. Arbeit kommt einem weniger in den Sinn. Doch genau darum geht es beim Treffen mit Christian Kobs und Fabian Köster. Genauer gesagt, um Arbeit für Tischler. Mich begrüßen zwei gut gelaunte Herren um die Dreißig. Fester Händedruck, offener Blick.

 

 

Mit „Tischler im Norden“ haben die beiden einen hochspezialisierten Personaldienstleister ins Leben gerufen. Ein Unternehmen, das als einziges in Deutschland ausschließlich gelernte Tischler an Tischlereien überlässt. Wie kam es zu diesem engen Fokus? „Wir haben schon über 10 Jahre Erfahrung in der Arbeitnehmerüberlassung und kennen und lieben das Tischlerhandwerk wie kein anderes. Da war es nur konsequent. Wir machen lieber nur eine Sache. Die aber richtig“, sagt Christian Kobs. Sein Geschäftspartner Fabian Köster ergänzt: „Es macht auch einfach viel mehr Spaß.

Wir kennen unsere Tischler und kennen die Betriebe, in die wir ver- leihen. Diese persönlichen Beziehungen sind uns wichtig. Es ist was anderes, ob wir Alexander zur Tischlerei Fuchs vermitteln, weil wir wissen, dass das hervorragend passt oder ob wir nur anonyme Nummern bearbeiten. Nach dem Motto: ‚Dankeschön, der Nächste bitte!‘“

 

Die beiden sind sich des fragwürdigen Images von Zeitarbeit durchaus bewusst. Man gewinnt den Eindruck, Christian Kobs und Fabian Köster haben nicht trotzdem, sondern gerade deswegen „Tischler im Norden“ ins Leben gerufen. Um Dinge anders anzugehen. Das grundlegende Prinzip der Arbeitnehmerüberlassung schätzen die beiden durchaus: Tischler finden Arbeit, Betriebe finden qualifiziertes Fachpersonal.

 

Es gelingt ihnen, dass beide Seiten gerne mit ihnen zusammenarbeiten. Sie möchten weg von der Vorstellung, Arbeit auf Zeit sei eine Notlösung. „Das Geheimnis, wenn man so will, ist eigentlich gesunder Menschenverstand“, sagt Christian Kobs. „Das beginnt bei einer fairen Entlohnung und endet nicht zuletzt bei der Wahl des passenden Betriebs. Es klingt vielleicht zu offensichtlich, aber gelernte Tischler wollen gerne als Tischler arbeiten. Und genau dafür machen wir uns stark.“ Bei herkömmlichen Zeitarbeitsfirmen sieht die Sache meist anders aus. Viele Tischler landen in der Logistik oder im Metallbau. „Das sind alles respektable Berufe, keine Frage. Nur haben die herzlich wenig mit dem zu tun, was die Tischler mal gelernt haben und wofür sie brennen: das Tischlerhandwerk.“ Die Logik: Gut bezahlte Tischler, die in einer Tischlerei arbeiten, die zu ihnen passt, sind motiviert. Und von dieser Motivation profitierten letztendlich auch die Betriebe, denn motivierte Mitarbeiter arbeiten gerne und gut.

 

Eine Win-Win-Situation.

 

Der Vormittag ist schon fortgeschritten. Man merkt, wie gut sich Christian Kobs und Fabian Köster in ihrem Metier auskennen. Wir bestellen also noch eine Runde Kaffee und setzen unser Gespräch über dieses doch recht ungewöhnliche Personaldienstleistungsunternehmen fort. Mit dem eingefahrenen Bild klassischer Zeitarbeitsfirmen hat das wenig gemeinsam.

„Das klingt deswegen anders, weil es anders ist“, sagt Fabian Köster lächelnd. Und wenn man sich mit Tischler im Norden näher beschäftigt, bestätigt sich diese Aussage.

 

Wohl kein anderer Personaldienstleister schlüsselt auf seiner Webseite haarklein und für alle zugänglich auf, welche Kosten auf die Betriebe – in diesem Fall also die Tischlereien – zukommen und wie die Kosten verteilt werden.

 

„Wir haben ja nichts zu verbergen“, sagt Köster.

 

Offenheit ist vermutlich auch nötig. Die Zeitarbeitsindustrie wird schließlich sowohl von Arbeitneh- mern als auch Arbeitgebern häufig kritisiert. Die einen fühlen sich ausgebeutet, die anderen finden keine qualifizierten Fachkräfte.

 

Es stellt sich also die Frage, wie die Zukunft der Zeitarbeit aussieht, ob nicht ein Zenit erreicht oder gar überschritten ist. Oder anders: Braucht es zu- künftig wirklich noch Zeitarbeit? „Nun, was sollen wir da schon antworten: Selbstverständlich sind wir von der Sinnhaftigkeit überzeugt“, sagt Kobs lachend. „Und wenn man realistisch ist, würde der Arbeitsmarkt düster aussehen, wenn man jegliche Zeitarbeit abschaffen würde. Wir möchten einen respektvollen Umgang miteinander etablieren. Das ist ein bisschen aufwendiger, klar. Aber es ist machbar. Es braucht zukünftig nicht mehr oder weniger Personaldienstleister, es braucht bessere.“

 

Gegen Mittag neigt sich unser Gespräch dem Ende zu. Nicht, dass uns der Gesprächsstoff ausgehen würde. Doch auch am Wochenende haben Christian Kobs und Fabian Köster mitunter einiges zu tun. Womöglich will die nächste Anfrage bearbeitet werden. Ob es nun ein Tischler ist, der Arbeit sucht oder eine Tischlerei, die schnell einen fähigen Mitarbeiter benötigt: Die beiden werden es sicher richten, denke ich, als ich mich in der Mittagssonne auf den Nachhauseweg mache. Es war eine erhellende Unterhaltung, die mit dem einen oder anderen Vorurteil über Zeitarbeit aufgeräumt und gezeigt hat, dass Veränderungen in der Arbeitswelt möglich sind, wenn man ein ausgeklügeltes Konzept hat.

von Christian Krauß


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